Flexibilität von Rechenzentren und Netzzugang

18. August 2026
Flexibilität von Rechenzentren und Netzanschluss

In den verkehrsreichsten Städten Europas müssen neue Rechenzentren oft sieben bis zehn Jahre auf einen Netzanschluss warten. In einigen Top-Märkten kann die Wartezeit sogar bis zu 13 Jahre betragen. 

Die Entwickler suchen nach anderen Standorten: Im zweiten Quartal 2026 entfielen nur 37 % der neuen Kapazitäten in Europa auf die fünf wichtigsten Drehkreuze: Frankfurt, Amsterdam, Dublin, London und Paris.

Trotz dieser Knappheit nutzten die Kraftwerke, die tatsächlich ans Netz gingen, im Jahr 2024 nur 44 % der von ihnen reservierten Leistung. Das Netz erscheint zwar auf dem Papier ausgelastet, wird in Wirklichkeit jedoch nicht voll ausgeschöpft.

Wenn die Rechenzentren in Europa jedes Jahr nur 30 Stunden Flexibilität bieten würden, könnten sie die ihnen zur Verfügung stehende Netzkapazität mehr als verdoppeln. Das sind nur 30 von 8.760 Stunden im Jahr. Ab August 2026 ist dies die kostengünstigste Möglichkeit, die Kapazität zu erhöhen, und es sind keine neuen Verkabelungen erforderlich.

Rechenzentren gelten oft als Anlagen, die stets ihre volle Leistung nutzen, doch die tatsächliche Auslastung zeichnet ein anderes Bild. Im Jahr 2024 nutzten Rechenzentren in Europa laut IEA und McKinsey durchschnittlich nur 44 % ihrer Gesamtkapazität. EirGrid in Irland berichtet, dass die dortigen Rechenzentren etwa 34 % ihrer vertraglich vereinbarten Kapazität nutzen. In Norwegen wurden von den im Jahr 2023 angeschlossenen 500 MW nur 150 MW genutzt, was gerade einmal 30 % entspricht.

Wenn man davon ausgeht, dass Rechenzentren stets ihre volle Leistung nutzen, plant man mehr ein, als tatsächlich benötigt wird. Der belgische Netzplan berücksichtigt bereits Szenarien, in denen Rechenzentren zu bis zu 75 % flexibel sind. Bei begrenzten Netzanschlusskapazitäten ist es kostspielig, jedes Rechenzentrum so zu behandeln, als könne es seine Leistung nicht anpassen.

Flexibilität bedeutet in diesem Zusammenhang, den Stromverbrauch für kurze Zeiträume anzupassen oder zu reduzieren, wenn das Netz unter Druck steht, und im Gegenzug dafür einen schnelleren oder kostengünstigeren Zugang zu erhalten. Diese Vorstellung mag Betreibern Unbehagen bereiten, doch es ist wichtig, die Details zu betrachten. Das IEA-Modell sieht keine Abschaltung einer Anlage vor. 

In 80 % der Spitzenlastzeiten steht noch mehr als die Hälfte der üblichen Stromversorgung zur Verfügung. In der Hälfte dieser Stunden verbleiben etwa 80 %. Der Aufwand ist gering, und der Vorteil besteht darin, dass der Anschluss deutlich schneller erfolgt.

Bleiben Sie flexibel, ohne die Verfügbarkeit zu beeinträchtigen

Betreiber wollen die Live-Rechenleistung nicht drosseln, nur um das Stromnetz zu entlasten. Hier kommt der Batteriespeicher ins Spiel. Die Flexibilität geht von der Batterie aus, nicht von den Servern, sodass das Stromnetz eine flexible Last wahrnimmt, die Server jedoch davon unberührt bleiben. Durch die Kombination eines vor Ort installierten Batteriespeichers (BESS, der je nach Bedarf lädt und entlädt) mit einem flexiblen oder nicht fest gebundenen Netzanschluss verkürzt sich die Wartezeit für den Netzanschluss erheblich.

Deutschland bereitet sich bereits auf diesen Wandel vor. Das Land plant, seine Rechenzentrumskapazität bis 2030 auf etwa 6 GW mindestens zu verdoppeln, und die Regierung will einheitliche, flexible Anschlussvereinbarungen einführen, damit Standorte bereits vor dem vollständigen Ausbau des Netzes angeschlossen werden können. Die Herausforderung besteht darin, dass Rechenzentren, Batterien und erneuerbare Energien alle auf dieselben Anschlusspunkte warten. Eine getrennte Planung verschwendet Kapazitäten, während eine gemeinsame Planung diese besser nutzt. 

Eine Aggregationsplattform koordiniert dies auf Softwareebene und bündelt die Speicher zu einem virtuellen Kraftwerk, das zwischen Notstromversorgung, Preis-Handel und Netzdiensten wechseln kann. 

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet „Flexibilität von Rechenzentren“ für das Stromnetz? Es bedeutet, dass ein Rechenzentrum seinen Stromverbrauch für kurze Zeiträume verlagern oder reduzieren kann, wenn das Netz belastet ist, anstatt jederzeit die volle Leistung zu beziehen. Im Gegenzug erhalten die Betreiber schnellere Netzanschlüsse, niedrigere Netzentgelte oder beides. Nach Modellen der IEA würden etwa 30 Stunden pro Jahr ausreichen, um die Kapazität der europäischen Rechenzentren mehr als zu verdoppeln.

Wie kann ein Rechenzentrum flexibel bleiben, ohne an Verfügbarkeit einzubüßen? Indem der flexible Anteil nicht von laufenden Servern, sondern aus einem Batteriespeicher vor Ort bezogen wird. Die Batterie entlädt sich, um die Last abzudecken, die das Stromnetz abwirft, sodass die Rechenleistung weiterhin mit voller Leistung läuft. Aus diesem Grund werden Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) zunehmend zum Standard in den Netzstrategien von Rechenzentren.

Bauen oder finanzieren Sie Rechenzentren, Batteriespeicher oder Anlagen für erneuerbare Energien, die alle einen Netzanschluss benötigen? Der Clean Energy Club ist ein Ort, an dem Entwickler, Betreiber und Vermögensverwalter sehen können, welche Projekte in den einzelnen Märkten schnell ans Netz gehen. Nehmen Sie an der Diskussion teil.

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