Das Depot ist das neue Kraftwerk

Das kommerzielle Laden von Elektrofahrzeugen nimmt in ganz Europa rasch zu, wobei der Großteil der Aktivitäten in Depots und an Arbeitsstätten stattfindet. Lieferwagen kehren jeden Abend zum Standort zurück, und Firmenwagen bleiben während des Arbeitstages am Ladegerät angeschlossen. Jede dieser Ladestationen stellt eine elektrische Last dar, deren Lastzeitpunkt zeitlich verschoben werden kann. Zunehmend fungieren diese Stationen auch als Batterien, die Energie zurück ins Netz speisen können.
Das Portfolio der zufälligen Flexibilität
Ein Depot mit vierzig Elektro-Lieferwagen verfügt über mehrere Megawattstunden steuerbare Last. Die Fahrzeuge treffen nach festem Zeitplan ein, bleiben acht bis zwölf Stunden lang angeschlossen, benötigen zum Aufladen jedoch nur einen Bruchteil dieser Zeit. Die zusätzliche Zeit zwischen dem Anschließen und dem Abschluss des Ladevorgangs bietet pure Flexibilität.
Für sich genommen ist ein einzelnes 22-kW-Ladegerät zu klein, um auf dem Strommarkt eine Rolle zu spielen. Rechnet man jedoch alle E-Auto-Ladegeräte in einem Depot und anschließend über viele Depots hinweg zusammen, wird dies zu einer bedeutenden Größe. Durch die Bündelung der Ladeleistungen kann man das Laden auf die günstigeren Nachtstunden verlagern, Spitzenlastgebühren senken und – wenn diese zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengefasst werden – an Ausgleichsmärkten teilnehmen, so wie es auch Batterien und Industriestandorte tun. Mit bidirektionaler Hardware können geparkte Flotten von einem flexiblen Verbrauch dazu übergehen, tatsächlich Reservekapazitäten bereitzustellen.
Was das Lager mit der Fabrik gemeinsam hat
Die gleichen Flexibilitätsprinzipien, die in Industrieanlagen gelten, finden auch bei Fuhrparks Anwendung, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Bei einem Kühlhaus steht die Temperatur im Vordergrund, bei einer Fabrik ist es der Produktionsplan. Bei einem Fuhrpark hingegen ist es vorrangig, sicherzustellen, dass jedes Fahrzeug pünktlich abfahrbereit ist und über ausreichend Energie für seine Route verfügt.
Unter dieser Vorgabe bestimmen vier Hauptfaktoren den Marktwert: die Gesamtlast, die Reaktionsgeschwindigkeit, die Dauer der Reaktionsfähigkeit und die jährliche Einsatzhäufigkeit. Ladegeräte schneiden in all diesen Bereichen gut ab. Die Leistungselektronik reagiert innerhalb von Sekunden, die Last eines Depots lässt sich stundenlang anpassen, und im Gegensatz zu Anlagen wie Öfen oder Kältemaschinen verursacht die Änderung der Ausgangsleistung eines Ladegeräts keinen nennenswerten mechanischen Verschleiß.
Der Preis auf Standortebene
Flexibilität hilft Depots auch bei Herausforderungen, die über den Energiemarkt hinausgehen. Netzanschlüsse sind oft der versteckte Engpass bei der Flottenelektrifizierung. Viele Standorte können die für einen einfachen Ladeplan erforderlichen Modernisierungen nicht erhalten oder sich diese nicht leisten. Durch intelligentes Laden, das den Spitzenbedarf begrenzt, kann eine Flotte über den bestehenden Anschluss elektrifiziert werden, wodurch teure Modernisierungen oft vermieden werden. Dasselbe Steuerungssystem, das diese Kosten einspart, kann später Markterlöse generieren. Das bedeutet, dass ein System zwei Geschäftsmodelle unterstützt.
Was sollten Betreiber jetzt tun?
Stellen Sie von Anfang an sicher, dass Ihre Ladegeräte und Backoffice-Systeme steuerbar sind, über offene Schnittstellen verfügen und mit einer Messtechnik ausgestattet sind, die für die Marktteilnahme geeignet ist. Vergleichen Sie den tatsächlichen Energiebedarf jeder Fahrzeuggruppe mit der Dauer, die sie am Ladegerät angeschlossen sind, um herauszufinden, wie viel Flexibilität Sie haben. Nutzen Sie diese Flexibilität zunächst zur Tarifoptimierung und Spitzenlaststeuerung und steigen Sie dann, wenn Ihre Flotte wächst, in aggregierte Marktprogramme ein.
Fuhrparks stellen auf Elektrofahrzeuge um, um Emissionsziele zu erreichen und die Betriebskosten zu senken. Gleichzeitig benötigt das Energiesystem genau das, was Fuhrparks bieten können: schnelle, saubere und steuerbare Kapazität, die zu festen Zeiten an bekannten Standorten bereitsteht. Betreiber, die sich dies zunutze machen, zahlen weniger für das Laden und können sogar zusätzliche Einnahmen erzielen.
Häufig gestellte Fragen
Können E-Auto-Flotten auf Ausgleichsmärkten Geld verdienen?
Ja, sobald die Daten aggregiert sind. Eine einzelne Ladestation ist zu klein, aber die gebündelte Last eines Depots, die zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengefasst wird, kann neben Batterien Angebote in Ausgleichsmärkte abgeben. Mit bidirektionaler Hardware wechselt die Flotte von der Verlagerung des Verbrauchs zur aktiven Bereitstellung von Reserven, stets im Rahmen der Abfahrtspläne.
Inwiefern senkt intelligentes Laden die Kosten für den Netzanschluss?
Durch die Begrenzung der Spitzenlast am Standort. Viele Depots können die für einen naiven Ladeplan erforderliche Anlagenaufrüstung nicht realisieren oder sich diese nicht leisten. Eine Koordination, die den Ladevorgang über die Verweildauer verteilt, ermöglicht die Elektrifizierung der Flotte im Rahmen der bestehenden Anlagekapazität und verschiebt so oft sechsstellige Aufrüstungskosten in die Zukunft.
Was sollte in eine Ausschreibung für Ladeinfrastruktur aufgenommen werden, um Flexibilität zu gewährleisten?
Ladestationen und Backoffice-Systeme mit offenen Schnittstellen (OCPP oder gleichwertig), einer für die Marktteilnahme geeigneten Messtechnik und einer von Anfang an vorgesehenen Steuerbarkeit. Eine nachträgliche Nachrüstung der Steuerung kostet weitaus mehr als deren Einplanung von vornherein.







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